Spendenanthologie "Charlies Mutmach-Geschichten"
In dieser wundervollen Spendenanthologie von den Herausgebern Alex Planet und Alexandra Leo findet ihr meine Mutmachgeschichte "Die Mutbahn".
Das Buch enthält 22 lustige, spannende, herzerwärmende und fantasievolle Geschichten zum Thema Mut von unterschiedlichen Autoren.
In meiner Geschichte "Die Mutbahn", geht es um eine unvergessliche Fahrt in einer Straßenbahn. An der Stadion steigt ein Kind hinzu, welches mit einer Angst zu kämpfen hat. Doch die Mutbahn erkennt das und hilft jedem Kind dabei den Mut zu fassen seine Angst zu überwinden.
Spendenanthologie "Charlies Mutmach-Geschichten Weihnachten im Baumhaus"
In der weihnachtlichen Fortsetzung von Charlies Mutmachgeschichten, diesmal herausgegeben von Alex Planet und Antje Tresp-Welte, ist meine Mutmachgeschichte "Schneemann Bruno und der Herzenswunsch" zu finden.
Das Buch enthält 12 weihnachtliche, lustige, spannende, hererwärmende und fantasiereiche Geschichten zum Thema Mut von unterschiedlichen Autoren.
In meiner Geschichte "Schneemann Bruno und der Herzenswunsch" geht es um einen Schneemann, der so gerne das Weihnachstfest zusammen mit seinem menschlichen Freund Niklas und dessen Familie im Haus verbringen würde.
Aber er hat Angst davor zu schmelzen.
Wie er am Ende dann doch ein wundervolles Weihnachtsfest mit seiner menschlichen Familie verbringen kann, erfahrt in in "Charlies Mutmach-geschichten, Weihnachten im Baumhaus"
Faultier Flummi - Zusammen sind wir nicht allein
»Flummi, komm sofort runter!«, ruft der Tierpfleger erschrocken. »Du sollst nicht so hoch auf die Bäume klettern!«
Flummi rollt genervt mit den Augen und klettert wie im Turbogang den Baum herunter.
Flummi ist ein Faultier und lebt im Zoo. Wahrscheinlich ist Flummi ein eher ungewöhnlicher Name für ein Faultier, aber der Name hat auch einen Grund. Eigentlich sind Faultiere, wie der Name schon sagt, faul. Also nicht direkt faul, aber sie bewegen sich ganz langsam, fast wie in Zeitlupe. Flummi ist jedoch etwas anders. Er bewegt sich rasant. Er kann nicht nur rennen, nein, er springt und hüpft auf dem Boden und auf den Bäumen von Ast zu Ast. Daher wurde er Flummi genannt und hat nicht so typische Faultiernamen wie die anderen. Die heißen nämlich Fauli, Schleichi oder Ödi.
Flummi fühlt sich nicht so wirklich wohl im Zoo. Also eigentlich ist es toll hier. Die Tiere sind toll und die Tierpfleger sind sehr freundlich und kümmern sich gut um ihn. Aber er darf eben nie ganz nach oben auf die Bäume klettern und überall herumspringen, denn Faultiere machen das nun mal nicht.
Als Flummi wieder auf dem Boden angekommen ist, schaut der Tierpfleger ganz beschämt nach unten. Dann schaut er Flummi mit traurigen Augen an: »Flummi, es tut mir wirklich leid, aber der Chef hat gesagt, dass wir uns von dir verabschieden müssen. Du passt einfach nicht in den Zoo. Die Leute wollen langsam schleichende Faultiere sehen und keine springenden. Das passt einfach nicht zu einem Faultier. Ich soll dich hinausbringen. Dann bist du auf dich allein gestellt. Aber du schaffst das schon, denn du bist schlau, flink und ein guter Kletterer.«
»Was meint er mit verabschieden und hinausbringen?«, denkt Flummi. Aber in dem Moment hebt sein Pfleger ihn auch schon hoch und trägt ihn weg, weit weg. Raus aus dem Faultiergehege, ja sogarraus aus dem Zoo. Dort setzt er ihn auf den Boden, streichelt ihm einmal über den Kopf und verabschiedet sich.
Nun sitzt Flummi da, ganz einsam und verlassen, vor dem Zoo und weiß gar nicht, wie ihm geschieht. »Was soll ich jetzt machen?«, denkt er sich. »Soll ich einfach hier warten, bis der Zoo wieder öffnet und dann hüpfe ich einfach mit rein? Ach nein, keine gute Idee. Dann werde ich morgen wieder nur vor die Tür gesetzt. Aber wo soll ich jetzt hin? Also spannend ist es schon, denn ich kann endlich die Welt außerhalb des Zoos entdecken. Ich darf hüpfen und springen so viel ich will und auf die höchsten Bäume klettern, bis an die Spitze. Eigentlich echt aufregend. Das wird ein großes Abenteuer.«
Also macht er sich frohen Mutes auf den Weg ins Unbekannte.
Flummi läuft eine Weile am Straßenrand entlang. Er würde gerne auf die andere Straßenseite, aber da dort so viele Autos unterwegs sind und auch noch so schnell, traut er sich nicht. Er möchte warten, bis keine Autos mehr fahren. Dass hier ununterbrochen Autos fahren, weiß er nicht, denn er ist ein Faultier und kennt bis jetzt nichts, außer dem Zoo.
Da sieht er einen Vogel auf einem Zaun sitzen. Es ist ein blauer Wellensittich. Wellensittiche kennt Flummi, denn die gab es auch bei ihm im Zoo. Der Wellensittich sieht ziemlich traurig aus und Flummi beschließt ihn anzusprechen: »Hey, kleiner Vogel, was machst du hier draußen ganz allein? Wurdest du auch aus deinem Zoo gebracht?« »Aus meinem Zoo gebracht?«, fragt der Wellensittich erstaunt. »Was ist ein Zoo? Nein, ich hatte ein Haus. Dort habe ich mit meiner Menschenfamilie gewohnt. Ich war dort in einem Käfig, aber durfte auch immer im Wohnzimmer umherfliegen. Es war wirklich ein tolles Zuhause. Aber eines Tages durfte ich nicht mehr raus aus meinem Käfig und habe das Fliegen sehr vermisst. Ich hörte meine Menschenfamilie einmal etwas sagen wie: »Macht zu viel Dreck,überall liegen Federn, immer muss man aufpassen, dass Fenster und Türen zu sind«. Ich bin aber nun mal ein Vogel und möchte auch fliegen. Also habe ich die Chance genutzt, als jemand vergessen hat, meine Käfigtür richtig zu schließen. Ich habe sie auf gestupst und bin durchs Wohnzimmer geflogen. Meine Menschenfamilie fand das nicht so lustig und wollte mich wieder einfangen. Jedoch war das Fenster offen. Da bin ich dann herausgeflogen und erst mal einfach nur ewig lange durch die Gegend geflogen, weil es so schön war und weil ich mich so frei gefühlt habe. Aber irgendwann hatte ich keine Kraft mehr und bin hier auf diesem Zaun gelandet.«
»Oh, sagt Flummi. Etwas traurig, aber auch schön. Du hattest ein schönes Zuhause, aber dann auch nicht mehr und bist jetzt frei. So ähnlich war es bei mir auch.« Also erzählt Flummi seine Geschichte vom Zoo und fragt anschließend den Wellensittich: »Wieheißt du eigentlich?« »Ich heiße Hansi und wie heißt du?« »Ich bin Flummi. Möchtest du mit mir mitkommen und wir erkunden die Welt zusammen? Zu zweit ist doch schöner als so ganz allein«. »Jaaaaaaaa!«, ruft Hansi. »Das wird toll. Aber im Moment bin ich ziemlich müde, weil ich so viel geflogen bin.« »Ist doch kein Problem, meint Flummi. Setz dich auf meinen Rücken. Du bist doch leicht. Ich kann dich tragen«. Da hopst Hansi auf Flummis Rücken und zu zweit ziehen sie weiter.
»Schau mal, da ist ein Wald!«, ruft Flummi. »Allerdings müssten wir die Straße überqueren, um in den Wald zu kommen.« »Aber das ist doch kein Problem, sagt Hansi. Sieh mal, da drüben ist ein Zebrastreifen. Da können wir über die Straße gehen.« Da muss Flummi laut lachen: »Ha ha, ein Zebrastreifen, na du bist mir ja ein lustiger Vogel. Ja klar haben Zebras Streifen und die nennt man dann wahrscheinlich Zebrastreifen. Aber was hat das bitte mit der Straße zu tun?« Jetzt kann auch Hansi sich ein Grinsen nicht verkneifen. »Also die weißen Streifen auf der Straße sind dazu da, um über die Straße zu gehen. Die Autos müssen dort anhalten. Ich habe das immer aus dem Fenster gesehen. Vor unserem Haus war auch ein Zebrastreifen. Aber aufpassen muss man trotzdem, denn leider halten nicht immer alle Autos sofort an. Aber man stellt sich dorthin, wartet bis die Autos anhalten und dann kann man die Straße überqueren. Und es heißt Zebrastreifen, weil es aussieht, wie die Streifen vom Zebra.« »Ah, das ist schlau«, meint Flummi. »Aber ein wenig unheimlich ist es trotzdem.« »Ach Quatsch«, erwidert Hansi. »Ich schaue, dass die Autos anhalten und du hopst dann schnell über die Straße. Du bist so flink. Zusammen schaffen wir das!«. Das bestärkt Flummi und zusammen überqueren sie den Zebrastreifen.
Als sie im Wald ankommen, sind sie beide fasziniert. Es ist alles so schön grün und so ruhig. Ganz anders als im Zoo oder in der Stadt.
Plötzlich huscht etwas an ihnen vorbei und versteckt sich hinter einem Baum. »Was war das?«, fragt Hansi. »Ich weiß auch nicht so genau, aber es sah aus wie ein Hase. Hasen hatten wir auch im Zoo. »Hey, kleiner Hase, du brauchst dich nicht zu verstecken. Wir tun dir nichts«, sagt Flummi. Da kommt der Hase ganz schüchtern und ängstlich hinter dem Baum hervorgekrochen und fragt: »Hallo, wer seid ihr? Was seid ihr? Und was macht ihr hier?« Also erzählt Flummi dem kleinen weißen Hasen, wie sie heißen, was sie sind und wo sie herkommen. Und wer bist du?«, fragt Flummi. Und was machst du hier ganz allein im Wald? Du bist doch kein Wildkaninchen. Hasen wie du leben doch eigentlich nur in Häusern oder im Zoo. »Ich bin Coco und ich habe auch in einem Haus gewohnt. Aber nur ganz kurz. Einer aus meiner Menschenfamilie musste immer niesen seit ich da war. Und manchmal haben ihm sogar die Augen getränt. Es stellte sich dann heraus, dass er eine Tierhaarallergie hat, also eine Allergie gegen mein Fell. Dann musste ich weg und sie haben mich einfach hier in den Wald gebracht. Und jetzt bin ich froh,euch getroffen zu haben. Ich weiß nämlich gar nicht, was ich hier ganz allein machen soll. Nehmt ihr mich mit?« »Na klar«, sagt Flummi. »Wir lassen dich hier doch nicht allein. Und mit mehreren ist solch ein Ausflug doch noch viel schöner.
Nach ungefähr dreißig Minuten Fußmarsch kommen sie langsam aus dem Wald heraus und wieder in eine bewohnte Gegend. Je weiter sie gehen, umso mehr Häuser und weniger Bäume und Wiesen sehen sie. Sie sind also wieder in der Stadt. In welcher, wissen sie selbst nicht, denn so weit sind sie ja alle noch nie gelaufen.
Plötzlich hören sie ein klapperndes, lautes Geräusch und bleiben vor Schreck stehen. »Was war das?«, fragt Coco mit zittriger Stimme, während er sich unter Flummi versteckt. Auch Hansi ist ziemlich verängstigt und vergräbt sich in Flummis Fell. Dann sehen sie aber schnell, was dieses laute Geräusch verursacht hat. Eine Katze ist in eine Mülltonne gesprungen und dabei ist der Deckel zu Boden gefallen. »Was machst du da im Mülleimer?«, fragt Flummi erstaunt.
Da streckt die Katze beschämt ihren Kopf raus und antwortet: »Ich habe Hunger und suche etwas zu essen. Die Menschen schmeißen ziemlich viel weg und in den Mülltonnen findet man immer Lebensmittel, die eigentlich noch essbar sind.« »Aber hast du kein Zuhause, wo dir etwas zu essen gegeben wird?«, fragt Flummi. »Also, ich hatte ein Zuhause«, antwortet die Katze mit Tränen in den Augen. »Mein Frauchen, also die Frau, bei der ich gewohnt habe, war schon sehr alt. Und eines Tages ging es ihr nicht so gut. Dann kam ein Krankenwagen und hat sie mitgenommen. Seitdem habe ich sie nie wieder gesehen. Sie ist einfach nicht mehr zurückgekommen. Als ich vor ein paar Tagen erneut geschaut habe, ob sie jetzt vielleicht wieder zu Hause ist, hörte ich die Nachbarn sagen, dass sie im Pflegeheim ist. Ich glaube, das ist etwas, wo Menschen hinkommen, die sich nicht mehr so gut um sich selbst kümmern kommen. Dort wohnen sie dann und andere kümmern sich um sie. Aber wer kümmert sich jetzt um mich? Ich habe so viele Jahre in der Wohnung gelebt und jetzt muss ich auf einmal allein hier draußen klarkommen. Es macht mich wirklich traurig, dass ich in Mülltonnen nach etwas Essbarem suchen muss. Aber ich habe Hunger, also habe ich keine Wahl und muss mich hier allein durchkämpfen.« »Nein, liebe Katze, das musst du nicht. Uns geht es ähnlich, und jetzt sind wir nicht mehr allein und erkunden diese Welt zusammen. Möchtest du mit uns kommen?«, fragt Flummi. Da lächelt die Katze und miaut vor Freude. »Oh ja, das ist so schön. Ich bin übrigens Mimi.«
»Herzlich willkommen in unserer Familie, Mimi«, meldet sich nun Hansi zu Wort. »Dann lasst uns weitergehen.«
So ziehen die Vier weiter, bis sie an einem Zirkus vorbeikommen. Der ist gerade geschlossen und es ist ziemlich ruhig dort. Außerhalb des Zirkusgeländes sehen sie einen Elefanten. Er steht etwas verloren in der Gegend herum und wirkt sehr traurig. Obwohl er so riesig ist und Flummi, Hansi, Coco und Mimi sich etwas vor ihm fürchten, beschließen sie, ihn anzusprechen. Hansi ist sogar noch mutiger und fliegt auf seinen Kopf. Den Elefanten scheint das aber gar nicht zu stören. Er sitzt weiter regungslos da und starrt auf den Boden. Mimi streicht um seine Beine, um mit ihm zu kuscheln. Vielleicht muntert ihn das ja etwas auf, denkt sie. Aber wieder kommt keine Reaktion vom Elefanten. Dann wird auch Coco mutig, springt auf Flummis Kopf, um etwas größer zu wirken und sagt: »Hey, warum bist du so traurig? Können wir dir helfen?« Da reagiert der Elefant endlich und antwortet: »Ihr könnt mir nicht helfen, es ist vorbei« »Was ist vorbei?«, möchte Coco wissen. »Meine Zeit im Zirkus«, antwortet der Elefant traurig. »Ich habe mein ganzes Leben hier verbracht. Aber jetzt bin ich zu alt und kann keine Kunststücke mehr machen. Also koste ich dem Zirkus nur noch Geld und kann nichts mehr einbringen. Ich werde nicht mehr gebraucht. »Aber nein«, meldet sich dann Hansi vom Kopf des Elefanten zu Wort. »Wir brauchen dich und mögen dich, egal, wie alt du bist. Möchtest du uns auf unserer Reise begleiten?« Da bekommt der Elefant ganz große leuchtende Augen und gibt ein lautes »Törö!« vor Freude von sich. »Na klar, möchte ich das, aber womit macht ihr denn eure Reise? Also mit welchem Fahrzeug?« »Fahrzeug?«, fragt Flummi verdutzt. »Wir haben kein Fahrzeug. Wir gehen zu Fuß.« »Oh«, sagt der Elefant. »Aber das schaffe ich leider nicht. Dafür bin ich zu alt und ohne Fahrzeug werden wir auch nicht weit kommen. Aber ich habe eine Idee!« Der Elefant, der übrigens Lu heißt, zeigt mit seinem Rüssel auf einen alten Bulli, also einen kleinen Bus, der hinter ihm steht. »Den können wir nehmen. Der Zirkusdirektor hat letztens gesagt, dass er den Bulli nicht mehr haben möchte, weil er schon so alt und rostig ist. Nur fahren kann ich ihn nicht. Ich bin zu groß für den Fahrersitz. Flummi, wie sieht es mit dir aus? Du bekommst das bestimmt hin.« »Hm«, murmelt Flummi. »Ich werde es probieren. Wird schon klappen. Die Idee ist einfach super. Aber der Bulli sieht so farblos und traurig aus. Aber das sind wir ja nicht. Wir sind genau das Gegenteil, eine bunte Mischung und fröhlich, weil wir uns gefunden haben. Ich habe da drüben Pinsel und Farben gesehen. Wollen wir ihn nicht etwas verschönern?« In dem Moment, wo Flummi das ausgesprochen hat, haben auch schon alle Pinsel und Farbe in den Pfoten und legen los. Bis am Ende ein knallbunter Bulli vor ihnen steht. Und so kann die Fahrt losgehen. Am Anfang rumpelt es noch etwas, aber nach einer Weile hat Flummi herausbekommen, wie man richtig fährt und es klappt super. Die Fünf fahren auf einer Landstraße, erzählen sich Witze, lachen und singen lustige Lieder, bis Flummi plötzlich eine Vollbremsung macht. So, dass alle im Bulli durcheinander purzeln. »Hey!«, meckert Hansi und flattert wild umher. »Was soll das?« »Tut mir leid«, entschuldigt Flummi sich. »Aber schaut mal dort drüben.« Und jetzt sehen sie es auch. Am Rand der Landstraße sitzt ein Huhn, ganz allein. Hansi fliegt zum Fenster raus und fragt das Huhn, wie es heißt und warum es hier mitten an der Landstraße so ganz allein sitzt. »Ich bin Henriette. Dort hinten ist ein Bauernhof, wo ich eigentlich wohne. Aber leider kann ich keine Eier mehr legen. Da haben mich die Besitzer einfach hinaus gescheucht. Nun sitze ich hier und weiß nicht, wo ich hin soll und was ich machen soll. Außer Eier legen konnte ich doch nichts«. »Aber Henriette«, sagt Hansi entsetzt. »Ich bin mir sicher, dass du ganz viele Sachen gut kannst. Aber es ist auch egal. Bei uns musst du keine Eier legen. Wir haben alle kein Zuhause mehr und machen eine Abenteuerreise. Möchtest du mitkommen?« »Jaaaaa!«, ruft das Huhn und gackert vor Freude. Henriette und Hansi flattern vergnügt in den Bulli, und die muntere Fahrt kann weitergehen.
»So!«, ruft Flummi dann. »Schnallt euch an. Jetzt wird es schnell. Es geht ab auf die Autobahn. Juchhu!« Flummi hat mittlerweile sichtlich Spaß am Fahren gewonnen und liebt es, den Bulli zu lenken.
An einem Rastplatz legen sie eine kurze Pause ein, denn auch Tiere benötigen eine Pipi-Pause. Alle steigen aus und suchen sich ein Plätzchen zum Pipi machen. Der Rastplatz ist leer, sodass sie sich gut verteilen können.
Da sieht Coco einen Hund, der an einer Bank fest gebunden ist. Da der Hund nicht viel größer als Coco ist, traut er sich, ihn anzusprechen: »Hallo, was machst du hier ganz allein? Wo sind deine Menschen?« »Ich war mit meiner Familie auf dem Weg in den Urlaub. Ich habe mich so sehr darauf gefreut. Dann haben sie mich hier abgesetzt und sind einfach ohne mich weiter gefahren. Ich dachte erst, sie hätten mich aus Versehen hier vergessen. Aber mittlerweile denke ich, dass es Absicht war, denn ich warte hier schon seit mehreren Stunden.« »Oh, das ist aber gemein«, sagt Coco. »Dass den Menschen der Urlaub wichtiger ist als du, kann ich nicht verstehen. Aber du bist herzlich willkommen in unserer Familie. Unsere Geschichten sind alle ähnlich, obwohl wir so unterschiedlich sind. Aber trotzdem sind wir wie eine kleine Familie.« Da richtet der Hund seine Ohren auf, legt den Kopf etwas zur Seite und sagt: »Das ist aber schön, ich werde gerne ein Teil eurer Familie.« »Super, dann komm mit in unseren Bulli.« Vor dem Bulli stehen schon die anderen. »Hey, bist du ein neues Familienmitglied?«, fragt Lu. »Ich denke schon«, antwortet der Hund. Der liebe Hase hat mich dazu eingeladen.« »Das ist toll«, sagt Lu. »Bei uns ist jeder willkommen. Wie heißt du?« »Ach ja, ich bin Flo«. »Na dann steig ein, Flo. Und ihr auch. Wir wollen weiter fahren.«
Und so fahren Flummi, Hansi, Coco, Mimi, Lu, Henriette und Flo gemeinsam viele Stunden über die Autobahn. Die Stimmung ist toll. Man kann die Freude und Herzenswärme der tierischen Freunde einfach spüren. Sie sind freundlich zueinander, obwohl sie alle so unterschiedlich sind. Sie lachen, singen und ja, sie tanzen sogar manchmal im Bulli. Die sieben Freunde haben einfach viel Spaß zusammen.
Später ist dann mal wieder Pipi-Pause angesagt. Also verlassen sie die Autobahn und fahren auf der Landstraße weiter. Diese wird irgendwann aber immer enger und kleiner, bis sie schließlich als Schotterweg an einem Grundstück endet.
Der Bulli bleibt stehen, alle schauen erstaunt nach vorn, denn das Grundstück ist einfach toll. Eine riesige grüne Wiese mit vielen Bäumen und Wildblumen. Aber noch überwältigender ist das Haus auf dem Grundstück. Es ist ein riesiges, altes, verlassenes Bauernhaus. Hier wohnt schon lange keiner mehr.
»Das ist es!«, ruft Flummi!« »Das ist unser neues Zuhause. Lasst uns mal schauen, wie es innen aussieht.« Also betreten Sie das Haus und sehen sich um. »Es ist zwar sehr alt und staubig, aber trotzdem wunderschön. Und zusammen schaffen wir das schon mit dem Aufräumen, sauber machen und herrichten«, sagt Flo. »Ja klar, wir sind ein Team und eine Familie«, erwidert Coco. »Hey, wisst ihr was?«, fragt Lu. »Wir haben noch ganz viel von der Farbe übrig, mit der wir unseren Bulli schick gemacht haben. Das sollte auch noch fürs Haus reichen. Lasst uns gleich loslegen.«
Daraufhin fangen alle gemeinsam an, ihr neues Haus zu gestalten. Es wird gepinselt, gehämmert, Staub gewischt und geputzt, bis alle zufrieden vor dem Haus stehen und ihr Werk betrachten.
»Wunderschön«, meint Flummi dann. »Aber eine Sache fehlt noch. Wir sind doch jetzt eine Familie. Also benötigen wir auch einen Familiennamen und ein Türschild, wo unser Name draufsteht. Ich hätte da auch schon eine Idee. Wartet kurz hier. Vielleicht gefällt sie euch ja.« Dann verschwindet Flummi für eine Weile im Inneren des Hauses und kommt mit einem Türschild zurück, welches er an die Tür hämmert. Dort steht: Hier wohnt Familie Willkommen. Hansi, Coco und Flo lächeln vor Freude. Mimi und Lu haben sogar Tränen vor Freude in den Augen. Nur Henriette schaut etwas verwirrt und fragt: »Ich würde eure Freude natürlich gerne teilen, aber wie heißt denn nun unsere Familie? Dort steht ja. Hier wohnt Familie und dann Willkommen. Aber der Name fehlt ja«. Da muss Flummi lächeln, nimmt Henriette in die Arme und sagt: »Aber Henriette, „Willkommen“ ist unser Name. Denn wir heißen jeden willkommen. Jeder darf zu uns kommen. Egal, welche Tierart, wie er aussieht, wie alt er ist und was er kann oder eben nicht mehr kann!«
Da füllen sich auch Henriettes Augen mit Freudentränen und sie gibt ein leises, zufriedenes Bok Bok von sich.
Und seitdem fährt jeden Tag einer von ihnen mit dem Bulli durch die Gegend, um Ausschau nach verlassenen Tieren zu halten und diese in ihr Haus einzuladen. Denn im Haus und in ihren Herzen ist genug Platz für alle.