Tristi der graue Regenbogen

 

Der Regenbogen ohne Farben, Tristi heißt er,

findet sein Leben ganz schön schwer.

Die Welt ist so bunt, er einfach nur grau,

er wäre so gerne gelb, grün, rot und blau.

Eines Tages, als er mal wieder am Himmel erscheint,

sieht er ein Blümchen, dass ganz viel weint.

Er fragt das Blümchen: „Warum weinst du so sehr?

Wo kommt deine Traurigkeit her?”

Das Blümchen antwortet: „Ich bin so dünn und so klein,

das finde ich so gemein.

Die anderen Blumen sind so groß und stark,

was ich doch so gerne mag.”

„Aber manche mögen große Blumen, manche mögen kleine,

und ohne dich gäbe es ja keine,”

antwortet der Regenbogen,

und das ist nicht gelogen.

Da freut sich das Blümchen und weint gar nicht mehr

denn es weiß, dass es toll ist, so wie es ist, und das so sehr.

Da sieht der Regenbogen eine Biene, ganz gelb, doch Streifen hat sie keine

und die Biene fühlt sich anders und ganz alleine.

Doch der Regenbogen findet es gut und macht ihr Mut

denn ohne Streifen erkennt man sie unter allen anderen sehr gut.

Da freut sich die Biene und mit lautem Sum Sum,

fliegt sie erfreut um den Regenbogen herum.

Nach einer Weile zieht eine Wolke am Regenbogen vorbei,

sie ruft: „Ich bin grau und regne, oh wei oh wei!”

Doch der Regenbogen sagt: „Wir brauchen graue Regenwolken wie dich,

sonst würden alle Blumen verwelken, ganz sicherlich.”

Da freut sich die Wolke und zieht munter weiter,

ihr Lächeln wird immer breiter und breiter.

Dann läuft unter dem Regenbogen ein kleines Mädchen weinend umher

und ruft: „Oh nein, ich habe so viele Sommersprossen, ich will die nicht mehr!”

Der Regenbogen sagt: „Aber du bist einzigartig und toll, genauso wie du bist.

Denk immer daran und dass du das nie vergisst.”

„Stimmt, lieber Regenbogen, sagt das Mädchen, genauso toll und einzigartig wie du,

war mir gar nicht so bewusst, das gebe ich zu.”

Da versteht der Regenbogen, was das Mädchen damit sagen will

und wird plötzlich ganz still.

Er denkt nach, über das Blümchen, die Biene, die Wolke und das Mädchen, na klar,

alle sind so wie sie sind ganz wunderbar.

Jetzt wäre er nicht mehr gerne gelb, grün, rot oder blau,

denn er ist toll so wie er ist, einfach nur grau.